Neue Nutzungskonzepte

Trendwende Immobilienpreise

Neue Nutzungskonzepte für Innenstädte: Wie Wohnen, Arbeiten und Gastronomie die City wieder attraktiv machen


Über Jahre schien die Richtung eindeutig: Geschäfte schlossen, Kaufhäuser standen leer und viele Kunden bestellten lieber im Internet. Zahlreiche Innenstädte verloren dadurch an Frequenz und Aufenthaltsqualität.
Doch inzwischen beginnt sich das Bild an manchen Orten tatsächlich zu verändern. Nicht weil der klassische Einzelhandel zurückkehrt, sondern weil viele Innenstädte zunehmend neue Aufgaben übernehmen.

Weniger Handel schafft Platz für Neues
Viele Zentren waren jahrzehntelang fast vollständig auf das Einkaufen ausgerichtet. Fielen größere Händler weg, entstanden deshalb schnell sichtbare Lücken. Doch hier findet gerade ein Umdenken statt. Denn inzwischen werden ehemalige Verkaufsflächen häufiger anders genutzt: für Wohnungen, Arztpraxen, Bildung, Gastronomie, Büros oder kulturelle Angebote. Auch der Bund förderte mit seinem Innenstadtprogramm ausdrücklich eine stärkere Mischung aus Wohnen, Arbeiten, Begegnung, Betreuung, Kultur und Handel. Dadurch kann eine Innenstadt unabhängiger vom Einzelhandel werden.

Mehr Bewohner verändern das Zentrum
Wo Wohnungen entstehen, kommen nicht nur neue Einwohner hinzu. Es entsteht auch eine dauerhafte Nachfrage
nach Bäckereien, Apotheken, Dienstleistungen und Gastronomie.Das ist ein wichtiger Unterschied. Besucher kommen meist nur zu bestimmten Zeiten. Bewohner nutzen das Zentrum morgens, abends und am Wochenende. Eine Innenstadt, in der wieder mehr Menschen leben, kann deshalb lebendiger und zugleich stabiler werden.

Kurze Wege gewinnen an Bedeutung
Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie und öffentliche Verkehrsmittel liegen in zentralen Lagen häufig nah beieinander. Diese kurzen Wege werden für ältere Menschen ebenso interessant wie für junge Haushalte ohne eigenes Auto. Auch wer im Homeoffice arbeitet, bewertet ein vielseitiges Wohnumfeld anders als ein Berufspendler, der die Wohnung tagsüber kaum nutzt. Die Innenstadt wird dadurch nicht mehr nur als Einkaufsort betrachtet, sondern als vollständiger Lebensraum.

Öffentliche Räume werden aufgewertet
Viele Städte investieren inzwischen in Plätze, Grünflächen, Sitzmöglichkeiten und bessere Wege für Fußgänger und Radfahrer. Solche Maßnahmen wirken zunächst wie reine Stadtgestaltung. Für angrenzende Immobilien können sie jedoch entscheidend sein. Wo Menschen sich gerne aufhalten, steigt die wahrgenommene Qualität der Lage. Leerstände verschwinden dadurch nicht automatisch. Doch das Umfeld erhält wieder eine Funktion, die über den schnellen Einkauf hinausgeht.

Nicht jedes Zentrum schafft den Wandel
Trotzdem wird nicht jede Innenstadt automatisch attraktiver. Langfristig leer stehende Kaufhäuser, ungeklärte Eigentumsverhältnisse und fehlende Investitionen können ganze Straßenzüge belasten.
Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung weist darauf hin, dass solche Großleerstände Passantenfrequenz und Standortbedeutung schwächen können. Gleichzeitig zeigen Umnutzungsprojekte, dass gerade diese Gebäude neue Nutzungsformen in die Zentren bringen können. Entscheidend ist deshalb, ob eine Stadt den Strukturwandel aktiv gestaltet oder lediglich den früheren Zustand erhalten möchte.

Fazit
Manche Innenstädte werden nicht wieder attraktiv, weil der alte Einzelhandel zurückkommt. Sie werden attraktiv, weil sie vielfältiger werden. Für Sie als Eigentümer oder Investor bedeutet das: Achten Sie nicht nur auf neue Geschäfte. Beobachten Sie auch Wohnprojekte, medizinische Angebote, öffentliche Räume und die Umnutzung leerer Gebäude.
Die Innenstadt der Zukunft ist möglicherweise kein großer Einkaufsort mehr. Sie kann dafür jedoch wieder ein gefragter Wohnort werden. Copyright: Gevestor